Ein kurzer Dialog, wie er heute und morgen und überall in Berlin passiert. Was für ein Vergnügen, dieser kleinen Perle des Alltags zu lauschen. Hier für euch – ungekürzt. Nen Juten wünsch ick!
Am Abend an der Fischtheke im Supermarkt. Vor mir in der Schlange steht eine Frau. Ich schätze sie auf etwa 80 Jahre , vielleicht auch älter. Sie ist an der Reihe und der Verkäufer, nicht mal halb so alt wie sie, ruft keck hinter der Theke: „Und die junge Dame, was soll’s sein?“ Dann geht es los:
Ham Se nüscht Kleeneret?
Energisch bestellt die Frau: „Ham Se ´ne kleene Scholle?“
„Wie wäre diese, meine Dame?“
„Ach Jott, ham Se nüscht Kleeneret?“
„Naja, die sind fast alle gleich groß.“
Der Verkäufer nimmt prüfend einen Fisch nach dem anderen in die Hand.
„Wie wäre diese hier?“
„Wat wiecht’n die?“
Der Verkäufer legt einen Bogen Papier und dann den Fisch auf die Waage.
„Etwa 400 Gramm.“
„Kleener ham Se nich‘?“
„Nein, meine Dame.“
„Na jut. Aber könn’ Se mir die noch fertig machen? Hat Ihr Kolleje letztet Mal ooch jemacht. Da kommen bestimmt noch mal 200 Gramm runter, wa.“
„Na klar, mach ich.“
Der Verkäufer nimmt eine Schere und beginnt die Flossen abzuschneiden.
„Na man hat ja nich` die Werkzeuje zu Hause“, sagt die Frau.
„Nee klar, ’ne Schere hat man nicht.“
„Ach, hör`n Se uff. Da schneid‘ ick mir noch ’n Finger ab.“
Der Verkäufer entfernt die Schwanzflosse und schließlich den Kopf.
„Und könn’ Se die gleich ausnehmen? Hat Ihr Kolleje letztet Mal ooch jemacht. War allet fix und fertig. Glei für de Pfanne.“
„Na klar, mach ich.“
Kurze Pause.
„Sehen Sie, da ist sowieso nichts mehr drin. Sie müssen den Fisch nur ausspülen.“
„Wat wiecht dit Ding denn nu?“
Der Verkäufer legt den bearbeiteten Fisch oder besser: das, was von ihm übrig ist, erneut auf das Papier auf der Waage.
„282 Gramm.“
„Na seh’n Se. Hab ick doch jesacht. Da kommen 200 Gramm runter. Könn’ Se die gleich noch waschen. Hat Ihr Kolleje letztet Mal ooch …“
Der Verkäufer wickelt den Fisch in das Papier, steckt das Päckchen in eine Tüte, druckt ein Etikett aus und heftet es an die Tüte. Er reicht das Päckchen über die Theke. Dann ist es mit der Höflichkeit vorbei:
„Aber essen tun Se die alleene, ja? Oder hat dit meen Kolleje ooch jemacht?“