Berlin: Wo geht’s denn hier … zur Innenstadt?

U-Bahn auf Brücke Gleisdreieck

Ist es nicht toll in der Innenstadt zu leben? Mitten in einer Stadt, in der andere Menschen ihren Urlaub verbringen.  Ich mag Touristen. Ich mag ihre Neugier und ihr Interesse. Und verblüffende Fragen am Morgen …

Am blauen Himmel räkeln sich ein paar kleine Wölkchen. Ein schöner Sommertag in Berlin beginnt. Der morgendliche Berufsverkehr am Tempelhofer Ufer rauscht auf zwei Spuren in jeder Richtung an mir vorbei. Ich bin auf dem Weg zum U-Bahnhof.

„Entschuldigen Sie, wo geht es denn hier zur Innenstadt?“ fragt die Dame höflich, aber bestimmt. Ich erwache aus meinen Träumereien. Wat war ditte? Hab ick mir verhört? Innenstadt! Wat meent die? Alexanderplatz? Kurfürstendamm? Brandenburger Tor? Mensch, jeder Bezirk hat seine eigene Innenstad. In meinem Kopf rattert es.

Hier is ja nüscht!

Es entsteht eine Pause. Die U1 rumpelt über die Hochbahntrasse. Wir stehen in Kreuzberg. Was mich an der Frage am meisten verblüfft: Ich dachte bisher immer, das wäre mitten in der Stadt. DENKSTE! Oder? Doch, also antworte ich: „Sie SIND in der Innenstadt!“ Aber ich möchte helfen. „Suchen Sie etwas bestimmtes?“, schiebe ich hinterher.

„Geschäfte und Cafés“, antwortet die Frau „Hier ist ja nichts.“ Die U7 hat soeben ihre Fracht ausgespuckt. Eine Schülergruppe auf dem Weg ins Technikmuseum zieht an uns vorüber: 28 plappernde Münder. Auf dem Tempelhofer Ufer hupt es, ein Auto steht in der zweiten Reihe.

„Ah, ja …“, rufe ich der Dame entgegen „ …hier is ja nüscht!“ und denke: schon klar.

Himmel U-Bahn Brücke im Gegenlicht
Wieder entsteht eine Pause. Die Frau blickt ihren Partner an. Beide sind groß und gut gebräunt. Er trägt sein graues Haar akkurat kurz und einen Pullover mit kleinem Krokodil auf der Brust. Sie ist flott frisiert. Gepflegt sehen die beiden aus. Janz schön schickimicki, schießt es mir durch den Kopp. Ich vermute, die zwei sind Pensionäre auf Berlin-Trip.

Am Donnerstag beginnen die Sommerferien. Die Berliner hauen ab, viele andere Menschen kommen. Man merkt es jetzt schon. Die Stadt ist voll. Voll mit Touristen. Wenn Ihr glaubt, dass ich jetzt darüber schimpfe – Irrtum. Die Sonne lacht und ich habe gute Laune.

Innenstadt oder die wahre Mitte?

Deshalb empfehle ich einen kleinen Spaziergang in Richtung Nordwesten. Immer am Kanal entlang. Ich erkläre: „Auf der rechten Seite kommt der Potsdamer Platz. Dort gibt es eine Fußgängerzone mit Einkaufsmöglichkeiten und Cafés.“ Suchen die beiden diese Art von Innenstadt?

Ich lande einen Treffer. Sie strahlen, bedanken sich und laufen los. Alle sind glücklich. Jedem Tierchen sein Plaisierchen, denke ich. Da meldet sich der Klugscheißer in meinem Kopp. In entgegengesetzter Richtung liegt die wahre Mitte Berlins: exakt 52°30’10”,4 nördlicher Breite und 13°24’15”,1 östlicher Länge – in Kreuzberg. Na siehste!

Blick auf Postgebäude am Tempelhofer Ufer
Kurze Auszeit in der Innenstadt

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