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Hausnummer an Berliner Altbau

„Are you local?“ fragte der Mann mit dem Wohlstandsbäuchlein unter dem rosafarbenen Designer-Polo-Shirt. Erwartungsvoll sah er mich mit dunklen Augen an.

Seine Begleitung trug eine große Sonnenbrille und kaute ein wenig gelangweilt Kaugummi. Das dicke schwarze Haar hatte sie zu einem Pferdeschwanz gebunden. Sie wirkte elegant. Ich wiederum sah meine Begleiterin an. Wir kennen uns seit einer Ewigkeit.

„Yes“, antwortete sie freundlich. Und ich dachte: Local? Na, der hat Nerven. Ick bin local. Mehr local jeht nich, Freundchen. Aber das konnte der Mann ja nicht ahnen. Und danach hatte er auch nicht gefragt. Wir nickten. Er strahlte und seine gegelten Locken wippten freudig.

Do you know?

„We are looking for this place. Do you know?“ Dann zeigte er etwas auf seinem Smartphone. Ich hatte von diesem Ort noch nie etwas gehört, zuckte mit den Schultern. „Sorry.“ Nun kann man ja auch nicht jeden Pflasterstein dieser ach-so-mega-coolen Metropole kennen. Aber naja. Local, verpflichtet.

Um ehrlich zu sein, sind meine Freundin und ich ja nicht nur ortskundig, sondern auch einheimisch. Wir sind beede in Berlin jeboren, ham jemeinsam die Schulbank jedrückt und wohnen mitten inne Stadt. Dort trafen wir auch das Paar. Leider kannte auch meine Schulfreundin die gesuchte Lokalität nicht. Der Mann versuchte es nun mit der Anschrift.

Hufeisen oder Zickzack

Freundlicherweise gibt es in Berlin unter den Straßennamen kleine Schilder, auf denen die Hausnummern bis zur nächsten Straßenecke angegeben sind. Ein Blick auf das kleine Schild verriet im konkreten Fall eindeutig die Richtung. „Go this way“, sagte meine Freundin freundlich. „But it has to be this way“, meldete sich jetzt die Lady zu Wort. What!?

Nee, nee. In Berlin is dit so: Hufeisen oder Zickzack. Es gibt Straßen, in denen die Hausnummern innenstadtseitig mit der Eins beginnen, dann fortlaufend bis zum Ende der Straße ansteigen und auf der anderen Straßenseite geht es weiter ansteigend zurück. Die andere Variante: die geraden Nummern auf der einen Straßenseite, die ungeraden auf der anderen. So, und nu sach dit mal uff englisch.

Welcome to Berlin

Der arme Mann steckte wirklich in einem Schlamassel. Seine aparte Begleitung rollte hinter der Gucci-Sonnenbrille mit den Augen. Da bin ich mir ganz sicher. Wem sollte er nun vertrauen? Seiner Liebsten oder den Frauen, die vorgaben local zu sein? Juti, da kann man wohl nüscht machen. Wer nich will, der hat schon. Wir sind sowat von local. Believe it or not, rumorte es hinter meiner Stirn. Mir wurde die Sache langsam anstrengend. Und jetzt Tschö mit ö. Have a nice day.

Und genau das sagte meine Schulfreundin dann auch. „Have a nice day. You are welcome.” Während ich mich innerlich echauffierte, blieb sie gelassen und standhaft. Sie schickte die beiden in die richtige Richtung. Sie is eben ´ne Jute. Welcome to Berlin.

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